Wie können Spargelbauern überleben?

Published18. April 2023

AuthorMartin Balasus

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Zum Beginn der Spargelsaison besuchte Martin Balasus, Landtagsabgeordneter des Wahlkreis Pinneberg-Elbmarschen, einen Spargelhof in seiner Region: Schmietendorf in Wedel. Mit dabei war Julia Fisauli-Aalto, bei den kommenden Kommunalwahlen Spitzenkandidatin der CDU für die Ratsversammlung. Der Eindruck der beiden: „Es gibt riesige Herausforderungen, vor denen nicht nur Spargelhöfe, sondern die komplette Landwirtschaft stehen. Politik, Behörden und Verbraucher müssen handeln.“

Die Branche leidet unter den gestiegenen Energiekosten, der Düngemittelknappheit und wird natürlich von der Sorge umgetrieben, dass Kunden in der aktuellen Lage weniger Geld für heimischen Spargel ausgeben und so auf Billigprodukte aus dem Ausland zurückgreifen.

Harm und Britta Schmietendorf bewirtschaften 18 Hektar mit Spargelkulturen und berichteten von mehreren Sorgen, die sich fast alle ums Thema Personal drehen. Aktuellste: die vom SPD-Bundesarbeitsminister angetriebene Diskussion über die weitere Erhöhung des Mindestlohns. Harm Schmietendorf: „Die letzte Erhöhung von knapp zehn auf zwölf Euro pro Stunde war schon ein gewaltiger Kostenfaktor. Löhne machen für uns den Hauptteil der Kosten aus. Unsere Optionen: Wir können unsere Gewinnmarge reduzieren, aber wie überleben wir dann? Oder wir müssen das auf die Preise umlegen – aber wer kann dann noch heimischen Spargel bezahlen?“ Sein Unternehmen zahlt den Mindestlohn und noch mehr, weil ansonsten die polnischen Erntehelfer nicht kämen. Alle sind sozialversichert. „In Spanien liegt der Mindeststundenlohn bei 6,55 Euro, in Griechenland bei 3,76 Euro – die dortigen Spargelbauern haben es leichter.“

Der Landtagsabgeordnete Balasus sieht da „europaweit eine deutliche Unwucht“. „Ich kann die Sorgen der Spargelbauern gut nachvollziehen und hält es für bedenklich, wenn sich Minister Heil jetzt in die Lohngestaltung einmischt. Dies sei Aufgabe der Tarifpartner und nicht die des Ministers.“

Ihre Idee aus dem vorigen Jahr, ukrainischen Flüchtlingen Chancen auf einen Saisonarbeitsplatz zu geben, ließen die Schmietendorfs schnell wieder fallen. Vom Spargelverband kam die Info, dass die Bearbeitung der Anträge durch die Ausländerbehörden zwischen acht und zehn Wochen dauere. „Und da ist dann unsere Saison zu Ende.“

Deutsche Kräfte für den Verkauf konnten die Schmietendorfs nicht gewinnen. Zwar hatte ihnen die Arbeitsagentur mitgeteilt, dass sie 30 Personen anschrieb, damit diese Kontakt zum Hof aufnehmen. Britta Schmietendorf: „Nicht einer hat sich bei uns gemeldet. Wir schalteten auch Stellenanzeigen und hörten, dass sich das nicht rechne, weil ja dann das Wohngeld gekürzt würde.“ Martin Balasus dazu: „Es müssen mehr Anreize geschaffen werden, dass Bezieher von Sozialleistungen motiviert werden, Arbeiten in der Landwirtschaft zu übernehmen. Das könnte beispielsweise durch höhere Freigrenzen geschehen.“

Problematisch sind für die einheimischen Landwirte auch Billigprodukte aus dem Ausland. Spargel aus Südamerika kostet teilweise nur ein Drittel. Julia Fisauli-Aalto sagte dazu: „Natürlich müssen immer mehr Familien bei den steigenden Energiekosten und der hohen Inflationsrate verstärkt auf ihre Ausgaben achten. Jedoch sollte die Kaufentscheidung wohl überlegt sein: Schließlich müssen unsere Landwirte überleben und Gemüse aus fernen Ländern hat aufgrund des Transportes per Flugzeug oder Schiff eine miserable CO²-Bilanz. Hier können wir nur an die Bürgerinnen und Bürger appellieren, verantwortungsvoll zu denken und das heißt: regional kaufen. Denn manchmal ist weniger mehr!“

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