Landtagsrede: Die Zukunft der Kinder liegt in unseren Händen

Published12. Mai 2023

AuthorMartin Balasus

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Wir alle stellen also die Weichen für die Zukunft unserer Kleinen und Kleinsten. Und das wollen wir natürlich auf die bestmögliche Weise tun, schließlich prägen unsere Entscheidungen von heute ganze Lebenswege und sind folgenschwer.

Für die Zukunft eines Menschen ist sein Bildungserfolg entscheidend – das führt uns unweigerlich zu unseren Schulen.

Schule, das ist heute weitaus mehr als ein Ort der bloßen Wissensvermittlung. Eine Vielzahl an Anforderungen und Aufgaben prasselt auf alle ein, die an Schule beteiligt sind – von der Lehrkraft, Schulleitung, Verwaltung, Sozialarbeit bis zur Schülerschaft selbst.

Die Herausforderungen sind insgesamt groß – an manchen Orten aber ganz besonders:
Dort kommen SuS aus Elternhäusern, wo die schulische Arbeit zu wenig unterstützt wird oder werden kann – sei es aus zeitlichen, räumlichen oder fachlichen Gesichtspunkten.

Rahmenbedingungen für die Schülerinnen und Schüler sind viel zu oft schwierig:

  • Mancher hat wegen der beengten Verhältnisse zuhause überhaupt keinen Platz, um konzentriert zu lernen.
  • Viele Eltern bleiben den Elternabenden aus unterschiedlichen Beweggründen fern und der Kontakt zur Schule wird vermieden.
  • Immer mehr SuS fehlen sprachliche Vorbilder. Es wird weniger gelesen oder vielfach in der Heimatsprache oder in unzureichendem Deutsch kommuniziert.
  • Der Wortschatz von Schulanfängern – auch von Muttersprachlern – schrumpft seit Jahren kontinuierlich.

Besonders erschreckend: Manche Kinder zeigen Tendenzen zur Verwahrlosung, sind ungepflegt und tragen dreckige Kleidung. Dafür kann kein Kind etwas.

Und auch die Anzahl an psychisch und körperlich weniger gesunden Kindern nimmt zu. Denn es besteht ein direkter Zusammenhang zwischen falscher Ernährung, Bewegungsmangel und erhöhtem Medienkonsum. Hier wirkte Corona sicher wie ein Brandbeschleuniger.

Fatale Konsequenz: Damit geht häufig auch ein erhöhtes Aggressionspotenzial einher, an dessen Ende solch schreckliche Ereignisse wie unlängst in Heide stehen können.

Liebe Kolleginnen und Kollegen, diesen Kindern muss geholfen werden. Und das wollen wir tun!

Unsere Antwort in Schleswig-Holstein ist das sehr erfolgreiche PerspektivSchul-Programm, das einzigartig in ganz Deutschland ist und in der Fachwelt hoch gepriesen wird.
Es ist so großartig, dass sich auch die Ampel-Koalition 2021 ein ähnliches Programm – das Startchancen-Programm – in den Koalitionsvertrag geschrieben hat. Bisher ist es allerdings mangelhaft umgesetzt bzw. noch gar nicht angelaufen.

Unsere Idee: Schulen in sozial belastetem Umfeld müssen Besonderes leisten, sie brauchen also zusätzliche Unterstützung. Aus anfänglich 20 sind jetzt 62 PerspektivSchulen geworden. Sie profitieren von einem Bildungsbonus und können die weiteren Ressourcen ganz nach ihren individuellen Herausforderungen nutzen: Mehr Lehrerstellen für kleinere Klassen und damit für mehr Zeit für den Einzelnen, ein besonderes Sportprogramm – vielleicht zum Abbau von Gefühlsstau, Kooperationen mit Kultureinrichtungen wie Theatern oder verstärkte Berufsorientierung usw.

Und wir wollen das im Juli 2024 auslaufende Programm nicht nur verlängern, sondern es außerdem noch weiterentwickeln. So soll der Sozialindex Einklang finden, um die Passgenauigkeit vor Ort zu erhöhen. Weiterhin ist es uns ein wichtiges Anliegen, bei der Weiterentwicklung des Konzepts sowohl die Zusammenarbeit mit der Jugendhilfe im betreffenden Sozialraum als auch die Kindertageseinrichtungen zu berücksichtigen.

Denn der Grundstein für echten Bildungserfolg wird nicht erst in der Schule, sondern auch in der frühkindlichen Alter gelegt.

Nun mag vielleicht der eine oder andere einwenden, warum stattet ihr nicht jede Schule so aus? Die Antwort lautet: Das wäre schlichtweg unrealistisch. Das ist nicht finanzierbar.

Unser Ansatz lautet: Wir wollen denjenigen helfen, die unsere Hilfe auch am dringendsten brauchen. Soziale Politik muss vom Menschen und den echten Erfordernissen aus gedacht werden – und das Prinzip Gießkanne ist nicht wirklich sozial, es ist pauschal und finanzpolitisch fatal.

Zum SSW-Antrag: Warum soll der Steuerzahler Schulmaterialien für alle Kinder zahlen? Auch für die Kinder der hier anwesenden Abgeordneten?

Wir schauen besser auf diejenigen, die jeden Euro zweimal umdrehen müssen und stets die Sorge haben, dass das Geld nicht bis zum Monatsende reicht.

Liebe Kolleginnen und Kollegen, wir müssen zielgenau helfen, fördern, unterstützen.

Und unser PerspektivSchul-Programm ist solch ein Instrument, das sehr effektiv und erfolgreich ist. Es setzt dort an, wo auch Hilfe gebraucht wird. Lassen Sie es uns jetzt gemeinsam weiterentwickeln – für die Zukunft unserer Kinder. Es liegt in unseren Händen.

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