Die Wünsche der medac-Azubis und deren Chefs

Published20. Mai 2023

AuthorMartin Balasus

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Wedel. „Es war klasse, von einem Vertreter von Auszubildenden zu hören, welche Wünsche erfüllt werden sollten, um ihnen das Leben zu erleichtern. Vielen Dank!“ Für Martin Balasus, Landtagsabgeordneter für den Wahlkreis Pinneberg-Elbmarschen und Bildungspolitischer Sprecher seiner Fraktion, war der Besuch beim Wedeler Pharmaunternehmen medac wertvoll. Dabei sprach er nicht nur mit Nikola Sredojevic, dem Vertreter der 24 Azubis und Stuzubis, womit die Dual Studierenden gemeint sind, sondern auch mit Heiner Will, einem der Geschäftsführer, und Volker Bahr, der als Director Global Political Affairs das Unternehmen bei Politik und Medien vertritt.

Nikola Sredojevic trug gleich mehrere Optimierungsvorschläge vor. Dazu zählte die Verbesserung des ÖPNV zischen den medac-Standorten Wedel und Tornesch, weil der Unternehmensnachwuchs häufiger mal pendeln müsse und sich nicht unbedingt eigene Autos leisten könne. Auch die Ausstattung von Bahnen mit Internet- und Stromanschlüssen war eines seiner Themen, weil Azubis und Stuzubis den Weg zur Berufsschule beziehungsweise zur Fachhochschule Wedel und zur Nordakademie effektiver mit Arbeit nutzen könnten. Und auf die ungünstige Wohnsituation für Berufsanfänger mit zu wenig günstigem Wohnraum wies er hin. Martin Balasus: „Alle Anliegen finde ich berechtigt, habe sie jetzt im Hinterkopf für passende Diskussionen, kann aber natürlich keine Wunder bei der Lösung versprechen.“

Etwas größeres Kaliber wiesen die Hinweise der Geschäftsführung auf, denn es ging um nichts weniger als die Bedingungen für den Produktionsstandort Deutschland, überbordende Bürokratie und wirtschaftliche Zwänge, denen das Unternehmen und die gesamte Branche ausgesetzt sind.

Nach Angaben der medac ist von dem während der Corona-Pandemie entstandenen Schwung, wieder mehr Arzneimittel in Deutschland zu produzieren, schon jetzt nicht viel übriggeblieben. Nicht nur bei Hustensaft für Kinder, sondern auch bei Krebsmedikamenten gebe es Engpässe. Unter anderem wegen des Lohnniveaus oder auch behördlicher Anforderungen sei es einfach nicht möglich, in Deutschland Medikamente so günstig herzustellen wie in Fernost. Entweder müssten höhere Preise in Kauf genommen werden oder fernöstliche Hersteller müssten nachweisen, dass sie in ihrem Land genau die gleichen Auflagen erfüllen, wie einheimische Unternehmen, was zwangsläufig auch deren Preisniveau wachsen ließe. Das Thema „Verfügbarkeit in Krisensituationen“ dürfe die Politik bei ihren Entscheidungen nicht aus den Augen verlieren.

Als ein Beispiel für das „Bürokratie-Monster“ nannte Volker Bahr die Tatsache, dass extra Steuer-Formulare ausgefüllt werden müssten, auch wenn ein Mitarbeiter eines deutschen Standortes nur einen Tag für die Firma im Ausland tätig sei, bei längeren Austauschaufenthalten, die die Azubis von verschiedenen europäischen medac-Unternehmen absolvieren, sei der Bürokram ebenfalls immens.

Und ein Dauerbrenner des Herstellers von Diagnostika und Therapeutika unter anderem für Krebs- und Autoimmun-Erkrankungen ist das seit Jahren andauernde Preismoratorium. Düstere Perspektive: Wenn wie aktuell in der Diskussion Pharmaunternehmen künftig auch noch am Bau von Klärstufen beteiligt werden, um eventuelle Wirkstoffrückstände aus dem Abwasser zu filtern, drohe eine weitere Verlagerungsrunde der Produktion ins Ausland.

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