

TOP 1: Wissenschaftliche Exzellenz ist an der CAU längst Wirklichkeit
Es gilt das gesprochene Wort!
Sehr geehrter Herr Präsident,
„Scheitern bedeutet, überhaupt erst einmal den Mut gehabt zu haben, etwas zu
wagen.“
Lieber Kollege Vogt, dieser Satz stammt von Ihnen. Gesagt hier im Landtag, am 18.
Juni 2015. Ich finde: Der Christopher Vogt von 2015 hat Recht. Und ich finde: Dieser
Gedanke sollte auch unsere heutige Debatte prägen.
Die FDP wirbt seit Jahren dafür, Neues auszuprobieren, Risiken einzugehen und
daraus zu lernen. Zu Recht. Innovation braucht Menschen, die etwas wagen. Und sie
braucht ein Umfeld, das ihnen zutraut, nach einem Rückschlag wieder erfolgreich zu
sein. Wer Mut zum Risiko fordert, muss diesen Mut auch dann anerkennen, wenn der
erhoffte Erfolg ausbleibt.
Genau diesen Mut hat die CAU bewiesen. Sie hat sich einem anspruchsvollen
Wettbewerb gestellt und sich ein großes Ziel gesetzt. Dafür verdienen alle, die diese
Bewerbung getragen haben, unseren Dank und unseren Respekt. Dass es mit dem
Titel der Exzellenzuniversität nicht geklappt hat, ist eine Enttäuschung. Für die
Universität, für die beteiligten Wissenschaftler und auch für uns als Land.
Die Gründe müssen sorgfältig ausgewertet werden. Aus der Begutachtung des
Wissenschaftsrates können neue Ideen, bessere Strategien und ein erfolgreicher
nächster Anlauf entstehen. Dafür braucht es anhaltende politische Unterstützung und
Zutrauen in die Fähigkeiten der CAU.
Wer aber aus einer gescheiterten Bewerbung sofort ein pauschales Urteil über die
gesamte Hochschulpolitik ableitet, wird diesem Anspruch kaum gerecht. Herr Vogt, Ihr
eigener Satz von damals ist ein guter Maßstab, auch für heute.
Schleswig-Holstein kann Spitzenforschung. Die CAU beweist das jeden Tag: mit
Forschung an besseren Therapien für chronisch Kranke, mit Antworten auf die
Zukunft unserer Meere und mit anderen Ideen, die weit über unser Land hinaus
wirken. Diese Stärken geben uns allen Grund, die nächsten Schritte mit Zuversicht zu
gehen. Und wir wollen der CAU weiter konkrete Rückendeckung geben: mit
verlässlicher Finanzierung, erheblichen Investitionen und Unterstützung für ihre
Spitzenforschung.
Die beiden Exzellenzcluster PMI und ROOTS werden von 2026 bis 2032
weitergefördert. Sie haben sich im wissenschaftlichen Wettbewerb gegen starke
Konkurrenz behauptet. Das Land trägt für beide Cluster den Finanzierungsanteil von
25 Prozent und unterstützt damit unmittelbar international anerkannte Forschung.
Wissenschaftliche Exzellenz ist also in Schleswig-Holstein längst Wirklichkeit. Und
das Land trägt dazu bei, dass sie sich weiterentwickeln kann.
Liebe Kolleginnen und Kollegen, diese Unterstützung des Landes beginnt bei
verlässlichen Zusagen.
Schon für die Bewerbung war klar: Im Erfolgsfall übernimmt Schleswig-Holstein
seinen Landesanteil. Die notwendige Kofinanzierung war abgesichert. Auch den
Bewerbungsprozess selbst hat das Land zusätzlich finanziell unterstützt. Die CAU
konnte sich darauf verlassen, dass wir hinter ihrem Vorhaben stehen. Wer sich einem
solchen Wettbewerb stellt, braucht genau diese Rückendeckung.
Auch die längerfristige Entwicklung zeigt, welchen Stellenwert die CAU für uns hat:
Von 2019 bis 2025 ist ihr Globalbudget einschließlich Medizin um mehr als 23 Prozent
gestiegen. Das sind erhebliche zusätzliche Mittel. Bereitgestellt in Jahren, in denen
die Pandemie und die Folgen des russischen Angriffskrieges den Landeshaushalt
massiv belastet haben. Wir haben unter schwierigen Bedingungen die Finanzierung
der CAU deutlich gestärkt. Das ist eine politische Leistung, zu der wir selbstbewusst
stehen.
Und wir geben unseren Hochschulen weiter Planungssicherheit. Die Ziel- und
Leistungsvereinbarungen für die Jahre 2026 bis 2029 schaffen einen verlässlichen
Rahmen. Tarif- und Besoldungssteigerungen werden zusätzlich ausgeglichen. Für
eine Hochschule bedeutet das konkret: Steigende Gehälter müssen nicht aus einem
unveränderten Budget aufgefangen werden. Das ermöglicht eine verlässliche
Personalplanung und sichert die wissenschaftliche Arbeit.
Wer die Finanzierung der CAU bewerten will, muss auch das Gesamtbild betrachten:
das Globalbudget aus Landesmitteln, die Gelder aus dem Zukunftsvertrag Studium
und Lehre – die hälftig von Bund und Land getragen werden – und den zusätzlichen
Tarif- und Besoldungsausgleich durch das Land. Nach der vorliegenden
Haushaltsplanung stehen der CAU damit 2027 insgesamt nicht weniger Mittel zur
Verfügung. Von Kürzungen kann also einfach keine Rede sein!
Natürlich bleibt der Kostendruck durch die allgemeine Inflation eine Herausforderung.
Und natürlich können erheblich finanzstärkere Bundesländer wie Bayern oder Baden
Württemberg ihre Hochschulen auf einem anderen Niveau finanzieren als wir. Das
betrifft aber nahezu alle Politikfelder.
Besonders sichtbar wird das Engagement des Landes auch beim Campus: Mehr als
1,1 Milliarden Euro wurden in den vergangenen fünf Jahren für Bauprojekte an der
CAU investiert beziehungsweise zugesagt. Dahinter stehen Gebäude, in denen
Forschung und Lehre für die kommenden Jahrzehnte stattfinden können. Gute
Gebäude sorgen auch für bessere Arbeitsbedingungen. Der Sanierungsbedarf ist
natürlich bei weitem nicht vollständig abgearbeitet. Aber wir haben Investitionen in
einer Größenordnung auf den Weg gebracht, die den Campus nachhaltig verbessern.
Wer mehr moderne Forschungsbedingungen fordert, sollte anerkennen, was hier
bereits geleistet wird.
Lieber Kollege Vogt, Sie schreiben zur ausgebliebenen Auszeichnung: „Die Schuld
dafür liegt bei der Landesregierung.“
Elf Universitäten und Verbünde konkurrieren um fünf neue Förderplätze.
Internationale Fachleute bewerten wissenschaftliche Leistungen, institutionelle
Strategien und Entwicklungspotenziale. Und die FDP kennt anschließend sofort die
eine Ursache: Die Landesregierung sei schuld. Für eine wissenschaftspolitische
Debatte ist mir das entschieden zu wenig Wissenschaft und zu viel vorgefertigtes
Urteil.
Die Entscheidung fiel in einem wissenschaftsgeleiteten Verfahren. Daraus lässt sich
eine pauschale und monokausale Schuldzuweisung nicht ableiten. Den Vorwurf des
politischen Versagens weisen wir deshalb entschieden zurück.
Wir übernehmen Verantwortung für gute Rahmenbedingungen. Wir finanzieren,
investieren und unterstützen. Eine Garantie für die Entscheidung einer
wissenschaftlichen Auswahlkommission kann allerdings keine Landesregierung
geben.
Liebe Kolleginnen und Kollegen, unsere Aufgabe ist jetzt, die nächsten Schritte
gemeinsam mit der Universität zu gehen.
Die Bewerbung hat die strategische Entwicklung der CAU vorangebracht. Ihre
Ausrichtung auf den Ostseeraum knüpft an die besondere geografische Lage und
gewachsene internationale Partnerschaften an. In der Meeresforschung und der
Medizin besitzt die CAU Kompetenzen, mit denen sie auch künftig international
erfolgreich sein kann.
Jetzt gilt es, die Rückmeldungen aus dem Exzellenzverfahren sorgfältig auszuwerten
und zu entscheiden, welche Vorhaben auch ohne die erhoffte Förderung umgesetzt
werden können.
Dem designierten Präsidenten Michal Kucera wünsche ich für die kommenden
Aufgaben einen guten Start. Er kann auf einer Universität aufbauen, die
wissenschaftlich viel zu bieten hat – und auf eine Koalition zählen, die die Ambitionen
der Universität unterstützt.
Unser Ziel bleibt eine international erfolgreiche CAU, die ihre Stärken weiter ausbaut
und beim nächsten Anlauf überzeugt. Dazu gehört, aus diesem Rückschlag zu lernen
und neue Schritte zu wagen. Die Menschen an unserer Universität sollen wissen: Wir
trauen ihnen das zu. Und wir unterstützen sie dabei mit unseren Entscheidungen und
unseren Investitionen. Wer Innovation will, muss Mut unterstützen – auch nach einer
Enttäuschung. Mit diesem Zutrauen gehen wir gemeinsam mit der CAU weiter. Vielen
Dank.



