Eine Woche bei der Luftwaffe – InfoDVag in Heide

Published23. September 2026

AuthorMartin Balasus

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  1. Was hat sich bei Ihnen persönlich verändert? Warum dieser Sinneswandel?

 

Damals waren es schlichtweg andere Zeiten. 2005 habe ich meinen Zivildienst an der Raboisenschule in Elmshorn absolviert, einer Schule für Kinder und Jugendliche mit Behinderungen. Damals lebten wir in einer Zeit, in der Krieg und eine konkrete militärische Bedrohung für viele von uns sehr, sehr weit entfernt schienen.

 

Heute ist die sicherheitspolitische Lage eine völlig andere. Russland bombardiert seit Jahren Zivilisten in der Ukraine und führt einen hybriden Krieg auch gegen uns. Wir müssen den Aggressor abschrecken und dafür die Bundeswehr bestmöglich aufstellen.

 

Wer über Sicherheitspolitik spricht – gerade als Politiker – sollte auch wissen, wie der Dienst unserer Soldatinnen und Soldaten aussieht. Deshalb engagiere ich mich auch als Mentor an der Jürgen-Schumann-Kaserne in Appen und nehme regelmäßig an den sicherheitspolitischen „Appener Gesprächen“ teil.

 

Die InfoDVag war eine hervorragende Gelegenheit, die Bundeswehr nicht nur von außen kennenzulernen, sondern für eine Woche ein Stück weit selbst zu erleben.

 

  1. Ist dieser freiwillige Dienst auch ein politisches Signal?

 

Ja, natürlich ist er das. Ich möchte gerade jungen Menschen zeigen: Es lohnt sich, Verantwortung für unser Land und unsere Gesellschaft zu übernehmen.

 

Ich bin überzeugt, dass wir perspektivisch über die reine Freiwilligkeit hinausgehen und wieder zu einer verpflichtenden Dienstform kommen sollten – sei es bei der Bundeswehr oder in einem Zivildienst im sozialen oder gesellschaftlichen Bereich.

 

Es geht aber nicht allein um Verteidigungsfähigkeit. Ein solcher Dienst gibt jungen Menschen viel mit: Verantwortung übernehmen, im Team arbeiten, sich auf andere verlassen können und einmal über den eigenen Alltag hinausblicken. Genau das habe ich in dieser Woche selbst sehr intensiv erlebt.

 

  1. Was wollen Sie nach dieser Woche anders sehen oder bewerten?

 

Besonders beeindruckt hat mich die Kameradschaft. Vom gemeinsamen Zeltaufbau bis zu den verschiedenen Übungen merkt man sehr schnell: Hier muss man sich aufeinander verlassen können. Jeder trägt Verantwortung für die anderen und am Ende zählt die Leistung des Teams.

 

Davon sollte sich übrigens auch die Politik etwas abschauen. Nicht immer nur in Zuständigkeiten und Einzelinteressen denken, sondern stärker gemeinsam an einem Ziel arbeiten.

 

Aber das Wichtigste: Nach dieser Woche habe ich einen noch größeren Respekt vor unseren Soldatinnen und Soldaten! Hinter dem Begriff „Bundeswehr“ stehen Menschen, die im Ernstfall jeden Tag bereit sein müssen, für unsere Sicherheit einzustehen. Ich wünsche mir, dass diese Leistung in unserer Gesellschaft noch stärker gesehen und anerkannt wird.

 

  1. Gab es einen Moment, in dem Sie dachten: Hätte ich den Wehrdienst damals vielleicht doch machen sollen?

 

Ja und nein.

 

Ja – beim Gelöbnis. Das war für mich der bewegendste Moment dieser Woche. Dieses Versprechen selbst abzulegen und dabei die Worte zu sprechen, „das Recht und die Freiheit des deutschen Volkes tapfer zu verteidigen“, war etwas ganz anderes, als sie nur zu hören. Das hat mich mit Stolz erfüllt.

 

Aber zugleich sage ich nein. 2005 gab es andere Rahmenbedingungen. Und ich möchte meine Erfahrungen aus dem Zivildienst an der Raboisenschule keinesfalls missen. Die Arbeit mit den Kindern und Jugendlichen dort hat mir große Freude bereitet und mich ebenfalls geprägt.

 

Vielleicht ist genau das die Erkenntnis: Beide Formen des Dienstes helfen jungen Menschen dabei, sich zu entfalten und mehr über sich selbst zu lernen. Entscheidend ist die Bereitschaft, nicht nur zu fragen: Was bringt mir das? Sondern: Was kann ich für andere und für unsere Gesellschaft tun?

 

  1. Waren Sie jemals in Ihrem Leben zuvor schon so erschöpft, körperlich und mental?

 

Zumindest erinnere ich mich nicht daran. Die Woche war definitiv fordernd – körperlich und mental. Die Nächte waren kurz, die Tage lang mit dicht getaktetem Programm: Um 5 Uhr raus aus dem Schlafsack im Biwak, schießen, Hindernisparcours und Überleben im Gelände das ging schon an die Substanz.

 

Dazu bot uns die Luftwaffe ein absolutes Info-Premiumprogramm, das auch den Kopf forderte: Eurofighter-Flugsimulator, Patriot-Flugabwehrsystem, Drohne steuern und mehr. Diese Fülle an Eindrücken musste man auch geistig erst einmal verarbeiten.

 

Zum Glück war bei mir die Neugier war immer größer als die Müdigkeit. Vor allem bin ich dankbar dafür, wie viel uns die Luftwaffe in dieser einen Woche gezeigt, ermöglicht und auch selbst hat ausprobieren lassen.

 

  1. Was war das Anstrengendste in dieser Woche – und warum?

 

Ganz klar: die Nacht im Biwak und der Morgen danach. Ich bin ohnehin kein leidenschaftlicher Camper, und bei Regen hält sich meine Begeisterung für das Leben im Freien noch stärker in Grenzen. Viel Schlaf gab es entsprechend nicht – und dann die Aufgaben, die ich schon beschrieben habe. Da musste man trotz Müdigkeit konzentriert bleiben und körperlich Leistung bringen. Das war sicherlich der Moment, an dem ich meine Komfortzone am deutlichsten verlassen habe.

 

Aber genau solche Erlebnisse bleiben am Ende besonders in Erinnerung. Und wenn man erlebt, mit welcher Selbstverständlichkeit unsere Soldatinnen und Soldaten mit deutlich größeren Belastungen umgehen müssen, relativiert sich die eigene Anstrengung auch ziemlich schnell.

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